Evang. Kirchengemeinde

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Die Nikolauskapelle in Hausgereut

 

Geschichtliches

Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts gehörten die Bewohner von Hausgereut und Holzhausen zum Kirchspiel Kork. Das bedeutete, dass alle Gehfähigen Sonntag für Sonntag etwa 10 km Fußweg zum Gottesdienst zurückzulegen hatten, durch Feld, Wald und Wiesen, bei Wind und Wetter. Und am gleichen Tag führte der ebenso lange Weg wieder zurück – jeden Sonntag ein Halb-Marathon!
 
Verständlich, dass sich irgendwann sich die geplagten Gläubigen beschwerten und um ein eigenes Gotteshaus baten. Der Bischof von Straßburg kam dieser Bitte sehr schnell nach und bereits im Jahr 1288 wurde (an der Stelle einer baufällig gewordenen, nicht mehr benutzten kleinen Kapelle) die neue Kapelle eingeweiht und den  Schutzpatronen Maria Magdalena, Jakobus und St. Nikolaus geweiht.

 
Als 1545 das Hanauerland evangelisch wurde, fanden die Sonntagsgottesdienste für die ‚Husgritter‘ in Rheinbischofsheim statt, die Nikolauskapelle wurde nur noch als Totenkapelle (für Hausgereut und Holzhausen) genutzt und geriet mit der Zeit in einen absolut desolaten Zustand.
 
Erst ab 1908 wurde die Nikolauskapelle wieder als Ort des Sonntagsgottesdienstes genutzt und saniert. In diesem Zusammenhang wurden die schon lange vermuteten Wandmalereien unter einer Putzschicht entdeckt. Zur Freilegung dieser Kostbarkeiten und zum Abschluss der Innenrenovierung der Kapelle sollte es aber erst nach dem Krieg kommen. Im Kriegswinter 1941/42 war es so kalt und das Dach der Kapelle derart undicht, dass in der Nikolauskapelle keine regelmäßigen Gottesdienste gehalten werden konnten. Erst 1957 konnte die Sanierung der Kapelle abgeschlossen werden.
 

Die Kunstschätze der Nikolauskapelle

Um 1400 wurde eine blaue Holzdecke angebracht, deren Farbe vorne an den mittleren Balken heute noch wahrnehmbar ist. Auch die kleinen gotischen Fenster stammen aus jener Zeit.
 
Ab etwa der gleichen Zeit, im Lauf des 15. Jahrhunderts, wurden die Wände mit Fresken ausgemalt. Leider wurden um etwa 1500 weitere und größere Fenster ausgebrochen, was zu großen Schäden an den Wandmalereien führte. Diese wurden im 17. und 18 Jahrhundert fleißig überstrichen. Erst der Kunstmaler Valentin Peter Feuerstein legte diejenigen Malereien, die noch zu retten waren, frei und restaurierte sie.
 
    
 
Biblische Heilsgeschichten wurden freigelegt: Die Nordwand erzählt von den zentralen Festen Passion und Ostern, die Chorbogenwand von Marias Verkündigung und Heimsuchung. Die Malereien an der Südwand waren leider nicht zu retten, an der Westwand wurden keinerlei Farbspuren entdeckt.
 
Auch der Kapellenraum ist gefüllt mit Wandmalereien, die sich zu einem großen Teil Darstellungen der Nikolauslegende beziehen. Ferner verdienen die Bischofskreuze Beachtung sowie die Darstellung der Mariengeschichten und der Evangelistensymbole an der Decke.
 
Es wurde zwar nirgends einen Beleg dafür gefunden, dass das Chor-Fenster von Feuerstein stammt; aber von der Gestaltung her ist es sehr wahrscheinlich, vor allem durch den Vergleich mit Feuersteins ähnlichem Chorfenster in Lahr-Burgheim und den von ihm stammenden Fenstern in der Kirche in Hornberg.
 
Ein besonderer Blickfang ist der alte, in guter Tradition oktagonale Taufstein vorne rechts in der Kapelle.
 
Eine weitere Kostbarkeit der Nikolauskapelle ist die im Jahr 1649 in Straßburg von Matthaeus Edel gegossene Glocke, die bis heute zwei Mal am Tag und zu jedem Gottesdienst von kundiger Hand geläutet wird.
 
 
 
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